BERLIN 140°

Edition Braus Berlin 2013

Fotografien von Frank Silberbach                                                               mit einem Text von Thomas Brussig

Format: 23 x 23 cm, 79 Abbildungen in Duoton, 164 Seiten, Hardcover

€(D) 29,95  €(A) 30,80  CHF 40,90


Frank Silberbach Berlin Fotografie

arte

21.12.2012

Philosophie - Konversation

Raphael Enthoven im Gespräch mit Ali Benmakhlouf

Frank Silberbach Berlin Fotografie

BERLINER ZUKÜNFTE

Herausgegeben von der Kulturprojekte Berlin GmbH 2009

Darüber hinaus gewähren Panorama-Fotografien Einblicke in das städtische Alltagsleben: jede für sich eine kurze Berlin-Geschichte.

aus dem Grußwort des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Klaus Wowereit

Frank Silberbach Berlin Fotografie

BERLINER BLICKE

Berliner Zeitung 11/2004 - 12/2008

Frank Silberbach Berlin Fotografie

Berliner Zeitung 25.08.2011

Panoramen der Straßen von Berlin

Der Fotograf Frank Silberbach in der Lichtenberger Galerie Ratskeller

Von Ingeborg Ruthe

Der stille Beobachter nimmt sich offensichtlich alle Zeit der Welt für diese Berliner Straßenpanoramen. Frank Silberbach lässt sich in der Tat nicht hetzen und schon gar nicht verführen vom rasanten Effekt.

Überschrift

Er lässt sich so gelassen wie aufmerksam ein auf die Stadt, auf ihre Straßen und Plätze, auf ihre schönen und ruppigen Seiten, auf ihre interessanten und komischen, eleganten und abgerissenen Leute, auf die Jahreszeiten und das ständig wechselnde Wetter. Wie den bekanntesten Straßen-Fotografen des 20. Jahrhunderts – Zille, Cartie-Bresson, André Kertéz, Robert Frank – ist auch ihm die Straße der vielfältigste und meistgenutzte Ort der Stadt, gewissermaßen der „öffentlichste“ Bereich des öffentlichen Raums.

Panoramen, die seit sieben Jahren Silberbachs Markenzeichen sind und die er über Jahre allwöchentlich samstags im Magazin der Berliner Zeitung veröffentlichte, lassen sich nicht eben leicht fotografieren. Sie sind keine nüchternen Dokumentationen, eher ziemlich emotional und durchdrungen von Humor. Ihr Blickwinkel ist ein anderer, als bei der klassischen Lifefotografie. Das extreme Format muss das Motiv halten; es darf sich an den Rändern nicht auflösen, es muss deutlich sichtbar bleiben wie ein gutes Bühnenbild. Und es braucht eine raffinierte wie solide Komposition. Eine Balance eben. Auch wenn ein Panorama-Motiv wie das hier abgebildete soeben die soziale Balance in der Millionenstadt infrage stellt: Der Mann auf der Bank vorm Bestattungs-Institut in einem Neubauviertel spürt nicht, dass Passanten ihn neugierig – oder besorgt? – anschauen oder aber gleichgültig weitergehen. Man hat sich an solche Anblicke gewöhnt, denkt im Vorbeigehen: “Armer Säufer“ und vielleicht auch „selber schuld“. Der Fotograf wertet nicht, er stellt nur beiläufig fest, was oft übersehen wird. Er inszeniert nicht, er findet die Szene zufällig, bannt sie in strengem Schwarz-Weiß und überlässt dem Betrachter das Bewerten. Er soll seine eigenen Erfahrungen mit der Stadt Berlin, ihren Orten und Menschen in die Bilder mit einbringen. Die Zeit wirkt in den Aufnahmen wie angehalten. Hauptsachen und Nebensächlichkeiten werden darin parallel erzählt.

Frank Silberbach Berlin Fotografie

Brennpunkt 3/2011

Frank Silberbach

Seit den Jahren, in denen Frank Silberbach seine fotografierten Panoramen allwöchentlich in den Magazinbeilagen der Samstagsausgaben der Berliner Zeitung veröffentlichte, gehört die Panoramafotografie ganz wesentlich zu seinen Aktivitäten. Als Berliner und mithin Großstädter richtet sich sein fotografischer Fokus auf die Menschen in dieser Stadt. Dabei folgt er der Straßen- und Lifefotografie, nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Panoramaform noch schwieriger zu bewältigen ist.

Überschrift

Denn die Breite dieses Formats will gefüllt werden, damit wirkliche Bilder entstehen. Frank Silberbach hat sich dafür über Jahre einen Blick angeeignet, der bewusst wie intuitiv das Alltagsgeschehen danach ausspäht, ob sich solche komplexen Szenarien anbahnen, um sie dann im entscheidenden Moment festzuhalten. Mit ausgeprägtem Gespür für das Situative, zeigen uns Frank Silberbachs Bilder authentische Alltagsszenen, nie denunzierend, aber nicht selten mit ironischem oder humorvollem Unterton.

Frank Silberbach Berlin Fotografie

Katalog zum vierten europäischen Monat der Fotografie 2010

Berlin 120°

von Dr. Enno Kaufhold

Die von Frank Silberbach praktizierte Panoramafotografie knüpft an eine lange Tradition an und folgt dabei einer besonderen Form der visuellen Weltaneignung, speziell der bürgerlichen. Auf Breite angelegt, nehmen wir Panoramen wie Landschaften wahr, setzen wir sie doch mit Horizonten gleich. Doch sind es nicht die Landschaften, die Frank Silberbach interessieren, sondern als Berliner und mithin Großstädter richtet sich sein fotografischer Fokus auf die Menschen in dieser Stadt. Dabei folgt er der Straßen- und Lifefotografie, nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass diese schon im Ansatz schwierigen Sujets in der Panoramaform noch schwieriger zu bewältigen sind. Denn die Breite dieses Formats will gefüllt werden, damit wirkliche Bilder entstehen.

Überschrift

Das, was sich als spannungsgeladene Szene direkt vor der Kamera abspielt, muss die ganze Fläche des Panoramas ausfüllen. Genau das macht die besondere Schwierigkeit aus. Frank Silberbach hat sich dafür über Jahre einen Blick angeeignet, der bewusst wie intuitiv das Alltagsgeschehen danach ausspäht, wo sich solche szenischen Koinzidenzen anbahnen, um sie dann im entscheidenden Moment festzuhalten. Über mehrere Jahre bereicherten die so fotografierten Berlinmotive die Magazinbeilagen der Samstagsausgaben der Berliner Zeitung. Seit Beendigung dieser stets termingebundenen Arbeit zeigen seine Bilder eine noch bündigere Form. Mit geschärftem Gespür für das Situative, auf das er sich bei seinen Wanderungen durch Berlin verlassen kann, zeigen uns Frank Silberbachs Panoramen die Menschen in authentischen Alltagsszenen, nie denunzierend, aber nicht selten mit ironischem oder humorvollem Unterton

Frank Silberbach Berlin Fotografie

Photonews 7-8/2008

Frank Silberbach

von Dr. Enno Kaufhold

Bei genauerer Überlegung haben Frank Silberbachs panoramatische Fotografien etwas Folgerichtiges.

Überschrift

Denn er bedient sich eines Aufnahmeformats, für das es seit Jahrzehnten in der Fotografie Vorläufer gibt. Und auch das führt noch nicht an die Quellen des Panoramabildes. Diese reichen Jahrhunderte, weit in die Zeit vor der Fotografie zurück. Folglich geht es beim panoramatischen Blick weniger um die technischen Möglichkeiten, also die des Kamerabaus und der Optik, als vielmehr um die sich in Bildern ausprägende Wahrnehmung. Unverkennbar haben sich die Panoramadarstellungen aber mit dem Aufkommen der Fotografie im 19. Jahrhundert verdichtet. Kurz gesagt als bürgerliche Wahrnehmung, die bekanntlich mit der Industrialisierung seit etwa 1800 entscheidende Fortschritte machte. Zu größter Popularität brachten es die Rundpanoramen, die in speziellen Bauten zur Unterhaltung vornehmlich der bürgerlichen Öffentlichkeit in den größeren Städten eingerichtet wurden. Sie zeigen 360 Grad-Ansichten von Städten, Landschaften sowie von religiösen wie historischen Ereignissen. Eins der letzten realisierten Panoramen ist das zu DDR-Zeiten von Werner Tübke im thüringischen Bad Frankenhausen gemalte Panoramen mit Motiven der Bauernkriege von 1525, das sich seit Jahren wachsender Besucherzahlen erfreut. Insofern gäbe es viel zur Beliebtheit der Panoramen zu sagen. Auch die Umstellung des Kinoformats auf Breitwand in den letzten Jahrzehnten oder die jetzige Formatänderung des Fernsehens auf das Seitenverhältnis 16:9 gehören dazu.

Frank Silberbachs Panorama-Fotografien stehen folglich ganz in dieser Tradition. Zunächst faszinierte ihn das Zusammenstellen von Panoramen aus Einzelfotografien und damit die Möglichkeit, mehr ins Bild setzen zu können. Bei dieser Montagetechnik, die er vor allem bei seinen Aufenthalten in China Mitte der neunziger Jahre perfektionierte, kreisen die einzelnen Einstellungen gewissermaßen um ihn als zentralen Punkt, wobei zwischen den Aufnahmen mehr oder weniger große Zeitdifferenzen lagen. Erst danach erfolgte der Wechsel zur speziellen Panoramakamera, bei der das Objektiv in einer Trommel im Moment der Auslösung geschwenkt und so ein Aufnahmewinkel von 120° erfasst wird. Von einer tiefer gehenden Beschäftigung mit diesem Aufnahmeformat kann jedoch erst ab November 2004 gesprochen werden, als ihm die Berliner Zeitung anbot, Berliner Alltagsszenen für das Magazin der Wochenendausgaben zu fotografieren. Was als zeitlich befristet gedacht war, verfestigte sich zu einer ständigen Rubrik.
Inzwischen gehören seine Panoramen unter dem Titel „Berliner Blicke“ zur feststehenden Ausgestaltung der Wochenendbeilagen. Sie sind gewissermaßen Institution. Aus der Fülle der Motive ist nun erstmals eine repräsentative Auswahl der Originalfotografien in der Berliner Monochrom Galerie zu sehen, sozusagen als Zwischenbilanz.

So sehr die Tradition in Frank Silberbachs Panoramen mitschwingt, so haben sie doch etwas sehr Eigenes, das sich deutlich auf die Geschichte und Eigenheiten der Fotografie bezieht. In seinen Szenen adaptiert er die speziellen Ansprüche aus der Life- wie der Straßenfotografie. Mithin sind es nicht die großen Übersichten über Straßenensembles oder Landschaften, sondern die Menschen im städtischen Raum, die er fotografiert. Das meint auch das angespannte Beobachten und die stete Bereitschaft, die Kamera in Anschlag zu bringen, wenn sich geeignet erscheinende Ereignisse zeigen. Anders als bei Normalformaten üblich, bedarf es beim Panorama einer Szenerie, die sich entweder auf der vollen Breite abspielt, oder mehrerer Ereignisse, die zeitgleich nebeneinander ablaufen, damit die ganze Fläche motivisch in Spannung versetzt wird. Das macht das Finden geeigneter Motive schwieriger und verlangt daher noch mehr Übersicht und Intuition, als die auf Momenthaftigkeit angelegten Gattungen Life- und Straßenfotografie ohnehin voraussetzen.

Mit der allwöchentlichen Rubrik „Berliner Blicke“ scheint ausgemacht zu sein, dass es sich um Motive handelt, die zwingend zu dieser Stadt gehören. Richtig ist daran, dass Frank Silberbach, dessen fotografische Anfänge 1978 bei der Freien Welt des in Ostberlin ansässigen Berliner Verlages begannen und der 1984 in den Westteil der Stadt übersiedelte, dass er Berlin aus eigener Anschauung in seiner Ganzheit bestens kennt. Indem er der jetzigen Ausstellung den mit Fragezeichen versehenen Titel „Wieso Berlin?“ gegeben hat, lässt er daran zwar keine grundsätzlichen Zweifel aufkommen, stellt die Motive aber insoweit zur Disposition, als er nach dem Berlin-Spezifischen fragt und den Betrachter auffordert, sich darüber selbst Klarheit zu verschaffen. Davon unberührt lässt schon die Motivvielfalt der jetzigen Auswahl seine Umtriebigkeit erkennen. Anders als der Flaneur, der sich treiben lässt, legt er es bewusst darauf an, immer wieder an anderen Orten mit offenen Augen herumzugehen. Mehr noch aber rückt als Ausdruck der Qualität seiner Fotografien sein Gespür für das Situative in den Blick, das seine Bilder über das Formal-Ästhetische hinaus bestimmt. Unverkennbar durchdringt seine Bilder eine durchweg positive Lebenshaltung. Frank Silberbach zeigt die Menschen ohne den leisesten Anflug von Denunziation, eher schon mit ironischem oder humorvollem Unterton. Wie bei jeder echten Life- und Straßenfotografie gründen sich auch seine Panoramen auf ein nicht nachlassendes Interesse an Menschen und dem, wie diese sich verhalten und miteinander umgehen. Für alle seine Fotografien gilt, wie er es selbst formuliert, „dass ich bei mir bin“. Das macht sie so authentisch.

Frank Silberbach Berlin Fotografie

Berliner Zeitung 18.06.2008

Der Straßenfotograf

Frank Silberbach hält Berliner Alltagsmomente in Panoramen fest. Er dokumentiert nicht, er erzählt parallele Geschichten.

von Ingeborg Ruthe

Überschrift

Einer wenigstens scheint glücklich darüber, dass der Himmel über Berlin seine Schleusen geöffnet hat. Der Mann breitet die Arme aus und ergibt sich dem Nass, das Ampelmasten, Papierkorb, Werbeschild und die abgestellten Fahrräder stoisch ertragen. Sonst ist die Friedrichstraße wie leergefegt; ein paar einzelne Gestalten haben sich untergestellt, sie harren aus.

Frank Silberbachs Straßen-Panorama erzählt etwas Simples. Es regnet, sonst passiert eigentlich nichts. Wer der dunstig-nassen Szene Poesie abgewinnen kann, könnte sich vielleicht vorstellen, dazu ein Stück aus Hanns Eislers Komposition „14 Arten den Regen zu beschreiben“ zu hören. Diese Musik trägt alle Facetten, vom befreienden, kühlen Regenguss an einem überhitzten Sommertag in der steinernen Großstadt bis zur Melancholie, die man auch genießen kann. Schwarz-weiße Panoramen von Berliner Straßen, Plätzen, Ufern, Parks, Stränden, Kneipen fotografiert Frank Silberbach (Jahrgang 1958) seit vier Jahren und veröffentlicht jeweils eines im Wochenendmagazin der Berliner Zeitung als „Berliner Blicke“. Nun sind die Bilder erstmals in größerem Format in einer Ausstellung zu sehen, in der Fotowerkstatt Monochrom.

Mit sanftem Nachdruck macht der Fotograf klar, dass er seine „nur“ beiläufig, zufällig – und garantiert mit Geduld erlauerten und beobachteten – Szenen uns, dem Betrachter, überlassen will. Damit wir unsere eigenen Erfahrungen mit der Stadt Berlin in die Bilder mit einbringen. Nichts ist gestellt in Silberbachs Panoramen, alles ist echt, aber so aufgenommen, dass die Zeit wie angehalten, ja, wie erstarrt scheint und viele Nebensächlichkeiten auf den Bildern spannungsvoll-parallel ihre Geschichte erzählen. Dies ist keine nüchterne Dokumentation, denn der Fotograf interpretiert ja emotional. Auf einer Brache mit noch blattlosen Bäumen zwischen Wedding und Prenzlauer Berg küsst sich ein junges Paar, der Mann schleppt Baumaterialien auf dem Rücken, die Häuser im Hintergrund werden renoviert. Alles steht parallel auf Anfang: die Natur, das Baugeschehen, die Beziehung.
Frank Silberbach ist „Straßenfotograf“ durch und durch. Und wie den bekanntesten Straßen-Fotografen des 20. Jahrhunderts – Zille, Cartier-Bresson, André Kertéz, Robert Frank – ist auch ihm die Straße der vielfältigste und meistgenutzte Ort der Stadt, gewissermaßen der „öffentlichste“ Bereich des öffentlichen Raums. Zudem eine Bühne des Alltags mit bewegten und unbeweglichen Elementen. Außerdem kommt die Unvorhersehbarkeit der Situation seiner Neugier, seinem Humor, auch seiner Demut vor dem Alltäglichen entgegen. Denn unser Leben, so Silberbach, besteht doch zumeist aus Alltäglichkeiten. Und die sind, falls wir es wahrhaben wollen, ziemlich oft etwas Besonderes.

Frank Silberbach Berlin Fotografie